
Abstrakte Malerei
Kerstin Kirbach
gemälde.

über mich.
„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“ – so abgedroschen das Zitat Picassos vielleicht sein mag, so zutreffend ist es. Zumindest für mich. Denn genau deshalb male ich: Weil ich nach dem Schönen im Alltag suche, das mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert und mich glücklich macht. Weil ich nach meinem persönlichen Sonnenschein suche, der die Welt ein bisschen heller und bunter macht. Das ist für mich meine Malerei.
Ich finde, Kunst muss nicht politisch und gesellschaftskritisch, oder gar unverständlich und vermeintlich elitär sein. Sie darf auch einfach nur ästhetisch und dekorativ sein. Mich faszinieren das Zusammenspiel unterschiedlicher Farben, Materialien und Haptik. Und das Spannungsfeld von Planung und Zufall – wie bei der Rakeltechnik. Der Zufall schafft oft faszinierende Strukturen und Farbigkeiten, eröffnet neue Wege und Möglichkeiten. Er kann aber auch den ganzen schönen Kompositionsplan zerstören. Dann muss ich mitunter wochen- oder monatelang warten, bis die Ölfarben getrocknet sind und ich endlich weitermalen kann. Ich werde also immer wieder gezwungen, meine Ungeduld zu zügeln und innezuhalten. Diese Zwangspausen, die ich eigentlich gar nicht leiden kann, sind wichtig und richtig, um Abstand zu gewinnen und einen neuen, frischen Blick zu bekommen. Dann erkenne ich Harmonien und Disharmonien. Und nicht selten stehe ich vor dem Problem: Wie kann ich Lieblingsstellen, die wie Fremdkörper wirken, erhalten und in ein harmonisches Ganzes integrieren? Leider gelingt das nicht immer. Oft heißt die Lösung: Loslassen. Immer dann erfordert meine Malerei Mut – Mut zum Risiko. Manchmal dauert es lange, bis ich es wage, dieses Risiko einzugehen.
Dabei ist meine Kunst ohnehin immer ein Wagnis. Denn bei der abstrakten Malerei gibt es kein offensichtliches „Fertig“. Das macht sie so reizvoll, aber auch so herausfordernd. Man muss erkennen, wann ein Bild fertig ist. Manchmal verpasst man diesen Punkt – und dann kann man das Bild nur retten, indem man es völlig neu erfindet. Eine Analogie zum Leben: Es gibt verpasste Gelegenheiten und Fehlentscheidungen, die man oft erst hinterher als solche erkennt.
Aber letztlich sind es die Verzögerungen und Umwege, die das Leben und auch die Kunst bereichern. Viele meiner Werke haben eine jahrelange Entstehungsgeschichte. Einige von ihnen sind auf sehr alten, recycelten Leinwänden entstanden, sie tragen Spuren, Flicken und Risse – Narben, wenn man so will. Aber gerade dieses Unvollkommene, „Gelebte“, diese Patina gefällt mir sehr – insbesondere in Kombination mit moderner, abstrakter Malerei. Es sind reizende Gegensätze. Durch die reduzierte Farbauswahl – die durchaus knallig sein kann – fällt das genaue Hinsehen leichter und man entdeckt leisere, zartere Stellen im Bild, die im Laufe des langen Malprozesses durch Farbüberlagerungen entstanden und oft einzigartig schön sind.
Ich beschäftige mich seit 1997 mit Ölmalerei und hatte in der Anfangszeit einige Ausstellungen. Beruflich habe ich jedoch einen anderen Weg gewählt: Nach meinem Politik- und Geschichtsstudium wurde ich Fernsehautorin, Producerin und Regisseurin. Die Malerei blieb für mich in all den Jahren aber ein wichtiger, unverzichtbarer Ausgleich zum Beruf. Nun möchte ich ihr endlich einen größeren Stellenwert einräumen – denn Kunst wäscht nicht nur den Staub des Alltags fort, sie streichelt die Seele. Diesen Effekt haben meine Bilder zumindest auf mich und vielleicht ja auch auf euch?!












